



Berliner "Tigerentenkoalition" liefert viele Steilvorlagen für die Öcher Nölde. "Traum von einem Mann" als früher Höhepunkt.
Foto: Martin Ratajzak
VON JAN MÖNCH
Der bisherige Verlauf der Legislaturperiode im Bundestag war ein Segen für die Öcher Nölde. Tatsächlich? Na selbstverständlich. Schließlich ist jede Panne in der Politik, jeder Fußabdruck im Fettnäpfchen eine Steilvorlage für die Kabarettgruppe um "Huusmeäster" Manni Savelsberg. "Da kommste mit am liejen", hat das Ensemble sich in den zurückliegenden Monaten wohl des Öfteren gedacht - gefunden war ein knackiger Programmtitel.
"Herzlich willkommen in unserer gelben und schwarzen Welt", wird das Publikum mit einer gesungenen Packung Zynismus in der Aula des Pius-Gymnasiums empfangen. Dann stechen die Nölde (Platt für Nadeln) gezielter zu. Zur "Tigerentenkoalition" ernennt Jan Savelsberg das Berliner Regierungsgespann. Nicht der hübschen Farbkombination wegen: "Als die angefangen haben, wollten die wie Tiger sein. Rausgekommen ist 'ne lahme Ente."
Und während. der "Obererpel Guido Westerwelle" zu einem Gladiatorenkampf gegen "eine Horde Hartz-IV-Mütter" ermuntert wird, rät Savelsberg Kanzlerin Angela Merkel dazu, CD-Rohlinge in Zukunft zu beschriften - dann würden Datensätze mit Steuersündern nicht so schnell im Schreibtischwust verschütt gehen. Schonzeit für die Opposition? Nix da. "Der Niedergang der SPD" wird ebenfalls mit einem von 17 Sketchen bedacht.
Alle ausverkauft
Doch auch im 13. Jahr des Bestehens des zurzeit 19-köpfigen Ensembles muss man nicht der Politikerzunft angehören, um der Nölde als Nöldekösse zu dienen. Für eine AKV-CD mit typischen Öcher Fastelovvendshits - Klaus & Klaus' "An der Nordseeküste" folgt auf Dirk von Petzolds "Der Lennet kann mich mal" - wird ebenso geworben wie für die Sauna als Alternative zum Nacktscanner im Flughafen.
Als ein früher Höhepunkt entpuppt sich der "Traum von einem Mann", den eine paarungswillige Platt-Sprecherin (Angelika Kutsch) träumt. So viel sei verraten: Zum Ziel führt die Suche nach "ne jrueße, staatse, schönne, röche Mann" nur über Umwege - die aber werden begleitet von Lachsalven des Publikums. So richtig schön sarkastisch gerät das Zwiegespräch zwischen den Unternehmern Frau Schmadtke (Ulla Ziermann) und und Herrn Dr. Krieger (Szenenapplaus für Horst Kreutz' Bademantelmontur). "Wenn man in Gehhilfen und Prothesen macht, dann braucht man Krieg und alte Leute", so ein Zitat aus der zeitgeistkritischen Nummer "Der Gewinn heiligt die Mittel".
Nein, Leichtverdauliches ist nach wie vor weder das, was die Nölde bieten wollen, noch das, was ihr Publikum erwartet. Trotzdem gut, dass zwischendurch die Combo Jazzlite mit Bass, Klavier, Saxophon und Schlagzeug beschwingt aufspielt - ein wohlklingenderes Mittel, um den Magen zu beruhigen, wird sich schwerlich finden lassen. Wer noch Eintrittskarten für die ausstehenden Vorstellungen sucht: Die sind allesamt längst ausverkauft.